Geschichte des Ortsvereins

„Die SPD lädt interessierte Mitbürger zu einem Frühschoppengespräch mit dem Landtagsabgeordneten Helmut Adamcyk ein. Es soll auch über eine mögliche Gründung eines Ortsvereins gesprochen werden“, so war es im Amtsblatt vom 2.12.71 zu lesen.

„Obwohl Neuburg ein großes sozialdemokratisches Wählerpotential aufweisen konnte, kam am darauffolgenden Sonntagmorgen gerade mal die erforderliche Mindestzahl zur Gründung eines Ortsvereins im Gasthaus Adler zusammen“, so die Mitbegründerin Dörthe Muth.

Das Team der ersten Stunde setzte sich anschließend zusammen aus der 1.Vorsitzenden Magdalena Voigt (Frau des damaligen Pfarrers), 2.Vorsitzender war Walter Appel. Weitere Gründungsmitglieder waren Dörthe Muth, Harald Doll, Norbert Hering und Albert Pfirrmann. Dem etwas zögerlichen Start folgten binnen weniger Wochen 15 Neuzugänge.

Beispielhafte Aufbauarbeit nach den Gründerjahren

Eine interessante Entdeckung machte man einige Jahre später. So deutete ein Eintrag in einem Vereinsregister aus dem Jahr 1921 schon damals auf einen „sozialdemokratischen Verein“ mit 15 Mitgliedern hin. Als Vorstand war Jakob Hoffmann, als Sekretär Karl Baus und als Rechner Georg Weisenburger der 24. aufgeführt. Diese Aufzeichnungen führten allerdings nicht weiter, so dass man sich für eine Zeitrechnung ab dem Gründungsjahr 1971 entschloss.

Gebührend feierte ein etwa 50 Mitglieder starke Ortsverein im Jahr 1996 das 25jährige Jubiläum mit einer „Woche der SPD“, dessen Höhepunkt der Besuch von Ministerpräsident Kurt Beck darstellte. Während zu dieser Zeit mit Arnika Eck abermals eine Frau den Ortsverein führte (1987 bis 1998), leistete nach den Jahren der Gründung eine Mannschaft um Erwin Muth eine beispielhafte Aufbauarbeit für die Neuburger Sozialdemokraten.

Mit fünf Mandaten im Gemeinderat startete die SPD nach der ersten Listenwahl im Jahr 1974. Dies steigerte sich bereits 1979 auf neun Mandate und bei den Wahlen 1984 errang die SPD gar die absolute Mehrheit der Stimmen. Sowohl politisch als auch gesellschaftlich belebten die Sozialdemokraten mit zahlreichen Auftritten das Dorfgeschehen. Als Beispiel sei nur der ins Leben gerufene „Kerwe-Ausschank“ genannt. Dieser Idee folgten in den späteren Jahren viele andere, so dass sich die Kerwe inzwischen zu einem bunten Volksfest entwickelte.

Das Dorf wird fit für die Zukunft

Mit Übernahme der politischen Verantwortung im Jahr 1984 unter Bürgermeister Erwin Muth wurden bedeutende Projekte auf den Weg gebracht. Der Familienerholungsstrand und das Gewerbe- und Sportgebiet „Im Derrück“ erhielten ihren letzten Schliff. Mit der Anlegestelle an der Fähre schlug man Brücken zu den badischen Nachbarn.

Die weitaus größere „menschliche Brücke“ entstand 1992 – drei Jahre nach dem Fall der Mauer – zu der brandenburgischen Partnergemeinde Hennickendorf. Mit dem Radwegnetz rund um Neuburg öffnete das Dorf den Pedalrittern seine Tore. Die Jugend erhielt ihren „Treff“. Die anfängliche Skepsis der Bevölkerung hat sich längst in eine hohe Akzeptanz gegenüber der Jugendorganisation gewandelt. Aus der Bauruine „Kleines Schulhaus“ entstand ein zwar bescheidenes, aber dennoch schmuckes Bürgerhaus mit Bücherei und Rentnerstube im Keller.

Neben dem Projekt Bürgerhaus musste die SPD auch wegen des Baus der Grillhütte erheblichen politischen Gegenwind aushalten. Beides ist heute aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken. Unter der Flagge von Bürgermeister Muth und der SPD begann auch die Sanierung des Straßennetzes mit der Dammstraße. Als Ersatz für die abgebrannte Lautermuschel ließ man ein abgewracktes Frachtschiff umbauen. Eine weitere Idee wurde realisiert: In dem wieder errichteten Neuburger Wahrzeichen brachte man neben einer Gastwirtschaft auch ein kleines Schifffahrtsmuseum unter. „Stillstand bedeutet Rückschritt“ – war und ist das Motto der Neuburger SPD.

Erste Urwahl – erster „Büttel“

Bei der Wahl 1994 erhielt die SPD abermals die Stimmenmehrheit im Gemeinderat. Auch im Verbandsgemeinderat vertragen die Neuburger Genossen zwischen 1984 bis 1998 mit fünf bis sechs Vertretern ihre Neuburger Mitbürger.

Für die 1984 erstmals durchgeführte Urwahl des Bürgermeisters kandidierte der langjährige Beigeordnete Heinz Degitz. Über 50 Prozent machten eine etwaige Stichwahl unnötig. Für die Vertretung im Gemeinderat erhielt die SPD wiederum knapp 50 Prozent der Stimmen. Nachdem das Landeswassergesetz inzwischen geändert wurde, war der Weg für ein Baugebiet frei. In den folgenden Jahren forcierte die „SPD-Regierung“ die Entstehung von Baugebiet in den „Wörthestücken“. Die Straßensanierung wurde mit der Wald- und Wörthestraße fortgeführt. Mit der ersten Ausgabe des Neuburger „Büttel“ hielten die Neuburger im Dezember 1994 die erste in Neuburg herausgegebene Parteizeitung in Händen.

Würdenträger in eigenen Reihen

Nach der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden im Jahr 1987 erhielt der inzwischen aus dem Bürgermeisteramt ausgeschiedene Erwin Muth im Jahr 1995 für seine hohen Verdienste in der Kommunalpolitik sowie im gesellschaftlichen und sozialen Bereich das Bundesverdienstkreuz. Die gleiche Ehre wurde dessen Ehefrau Dörthe zwei Jahre später zuteil. Für ihre über 25-jährigen ehrenamtlichen Verdienste – unter anderem als langjährige stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende – erhielt das zweite Mitglied der Neuburger SPD diese hohe Auszeichnung.

Ein Stabwechsel glückt – ein anderer misslingt

Beim Stabwechsel im Jahr 1998 übernahm der 29-jährige Thorsten Pfirmann den Vorsitz von Arnika Eck. Die Philosophie der Neuburger SPD wurde damit fortgesetzt, indem man jungen, engagierten Leuten Verantwortung überträgt.

Bei den Kommunalwahlen im Juni 1999 kandidierte Arnika Eck für den Ortsverein als Bürgermeisterkandidatin. Auch Amtsinhaber und Parteimitglied Heinz Degitz entschloss sich als Unabhängiger zur Kandidatur und gewann die Wahl im ersten Wahlgang. Der übliche Stabwechsel war damit misslungen. Die SPD büßte überdies drei Sitze im Neuburger Gemeinderat ein und schmolz auf die gleiche Stärke wie die CDU. Die seit zehn Jahren von Wolfgang Bosbach geführte Fraktion entschied sich angesichts dieser Ergebnisse für eine aktive und konstruktive Arbeit in der Opposition.

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